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Tarzan Informations Zentrum


{Prof. Carl Emanuel Wolff}

Die größte begehbare Tarzanskulptur der Welt
Zum Projekt von Johannes Gramm

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Der „Tarzan“ von Johannes Gramm wurde in der Tradition der Konzeptkunst entworfen.
Eine ca. 4 m hohe Bronze-Skulptur steht im Wald. Die Hände des „Tarzan“ sind zum Schalltrichter geformt, im Hinterkopf der Figur endet eine Art Flüstertüte mit einem Loch. Wer die Plastik aufsucht oder findet, kann dahinter steigen und durch das Loch flüstern, brüllen, proklamieren oder liebesdichten, das bleibt offen. Form, Größe, Material, Titel und Standort der Plastik sind im Vorfeld entschieden. Allein die Erfahrung des Betrachters mit Tarzan wird auch sehr emotional, spielerisch und en détail unvorhersehbar werden.
Tarzan selbst ist ein global-kultureller Allgemeinplatz – obwohl kulturhistorisch noch jung, ist er jedem bekannt. Die Plastik erklärt damit ihre Herkunft wie ihre Gestalt zweifelsfrei selbst. Ihre Größe, das Material Bronze, ihre Benutzbarkeit und der Standort Essen-Ruhr im Wald sind besonders.

Der Schalltrichter
Stellt der Kunstbetrachter oft die Frage, was ihm das Werk zu sagen hätte, so kann er hier im Duett mit Tarzan diese Frage selbst beantworten: Er kann die Skulptur sprechen oder grunzen lassen, kann sich durch sie hindurch Gehör verschaffen, auch wenn er selbst der einzige Zuhörer ist. Ist man zu zweit kann man sich Dinge durch die Blume – durch den Tarzan sagen.

Der Ort
Tarzan wird in einem für Essen so typischen Waldstückchen mit Lichtung am Hang stehen. Diese überall in Essen schnell erreichbaren „Dschungelflächen“ prägen die Stadt und ihre Bewohner. Beim Spazierengehen kann man hier schnell für sich sein; fast alle Essener haben ihre „heiligen“ Orte in diesen kleinen Oasen. Der Schillerbrunnen, der Hochsitz im Heissiwald, die Wiese neben der S6 Höhe Kluse … es sind intime Orte, nicht spektakulär und deshalb privat und wichtig. An einem solchen Ort steht Tarzan. Nicht am allerschönsten Hang vom Kruppwald – der ist sich selbst genug – er hat einen bescheideneren Ort gewählt. Die Plastik ist weit genug von Wohnhäusern entfernt, um nicht zur lästigen Klangkunst zu werden. Sie markiert verbindlich ihren Ort. Wenn zum Beispiel Kinder Tarzan hier entdecken, wird er sofort zum Ort des Gemeinsamen: „Morgen um 5 beim Tarzan!“ Dem Erwachsenen wird klar werden, daß hier intime Privathistorie entstehen wird. 2104 werden Essener sich in Nordkorea treffen und sich mit einem Tarzan ihrer Herkunft versichern. Wahrscheinlich wird Tarzan auch eine Rolle in so mancher Beziehung der Zukunft spielen.


Größe und Materialität
Mit ca. 4 Metern ist das Standbild nicht „sehr groß“. Kriegerdenkmal, Reiterstandbild, selbst die gesichtslosen Zeitgeistbrunnen der 70er und 80er sind höher, größer oder voluminöser. Als Betrachter habe ich zu diesen Werken allerdings auch einen anderen Abstand. Aus der Entfernung wird das Kriegerdenkmal „normal“ - Erst aus der Nähe wird es riesig und der Sockel hält mich ohnehin auf Distanz. Tarzan ist körperlich wie sein Betrachter und wird sich auch messen lassen. Steht man hinter ihm ist man nur halb so groß und erlebt das in der Berührung physisch: Rufe ich durch einen 4 Meter hohen Körper hindurch, bin ich irgendwie das Kind der Plastik. Also wird Tarzans Größe gleichzeitig sehr unterschiedlich erfahren werden - Von weitem menschlich klein, in physischer Nähe riesenhaft groß.
Das Material Bronze ist der fraglos konsensfähige Allgemeinplatz für die Plastik im öffentlichen Raum. Tarzan signalisiert hier, daß er sich in eine historische Kontinuität einreihen will. Von ihren Kommunen angenommen haben solche Plastiken später blankgeriebene goldene Stellen.

Der Titel „größte begehbare Tarzanskulptur der Welt“
Mit liebevoll ironischem Augenzwinkern beschreibt der Titel, daß es sich hier eben nicht um den tatsächlichen Superlativ, sondern um die Größe in der Bescheidenheit dreht. Größe, Benutzbarkeit, Wichtigkeit sind eben relativ. Tarzan selbst war ja eine Kunstfigur bevor er hier Standbild wurde. Die Behauptung der größte der Welt zu sein, bleibt die Behauptung der Kunst – die in der Erfahrung des Betrachters unterschiedliche Wirklichkeiten gewinnt.


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