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Tarzan Informations Zentrum


{Dr. Christiane Kuhlmann}

Ich Tarzan - Du Jane!
Ein Kommunikatives Prinzip

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Wir kennen ihn alle, zumindest ein bisschen, haben ein bestimmtes Bild von ihm, auch wenn wir wissen, dass er eine Kunstfigur ist. Gestalt wird ihm gegeben durch Schauspieler, die ihn mehr oder weniger ausfüllen. Wenn ich an ihn denke, habe ich ein schwarz-weißes Bild vor Augen, mir ihn in Farbe vorzustellen wird schwieriger. Dennoch ist die Vorstellung konkret: Ein Muskelmann mit Lendenschurz, der der menschlichen Sprache nur bedingt mächtig ist, dafür aber mit dem Ruf der Wildnis vertraut.
Tarzan ist ein Held, nicht mehr ganz aus unserer Zeit, der die Grenze zwischen Natur und Kultur markiert. Er steht für das natürlich Gute, ist der Herr des Dschungels, der Strukturen schafft. Grundverhaltensmuster des Menscheseins lassen sich an ihm ablesen: Er entwickelt ein Gespür für Gefahren, lebt für seine Gefühle und trägt Verantwortung für all diejenigen, die zu ihm gehören. Man kann sagen, wenn es so etwas geben würde: eine reale und ideale Traumfigur.

Die Bilder vor meinen Augen sind entstanden, weil zumindest für die Dauer einer Filmvorführung, das Antizipatorische des Mediums Film im ganzen Ausmaß greift. Das bewegte Lichtspiel setzt durch seine mediale Konstruktion auf eine privilegierte Stellung zur Realität. Aus einem Spielfilm kann sehr schnell Ernst werden, man fühlt mit, fürchtet und gruselt sich, erschrickt und weint oder das Repertoire der Schwärmereien wird um eine Figur reicher. Der Monumentalität kann man sich im dunklen Kinosaal und im tiefen, abgenutzten, zumeist altrosa Samtsessel nicht entziehen, denn nur noch in dieser Art von Kino hat man die Chance auf eine Begegnung mit dem echten Tarzan - was sich durch die Aufstellung einer Skulptur verändern kann. Tarzan, die Legende der Filmgeschichte, wurde immer wieder auf die Leinwand geschickt, was nichts anderes sagt, als dass der Herr über die Wildnis, ein Lücke ausfüllen muss und eine Projektionsfläche bietet, die zeitlos ist und in den verschiedenen Phasen immer wieder neu interpretiert wurde.

Die begehbare Tarzanskulptur von Johannes Gramm, ist nicht nur die weltgrößte, sondern sicher auch die einzige ihrer Art. Der Weg zu ihrem Aufstellungsort ist aufwendiger als der Kauf einer Kinokarte und das Erklimmen der Treppenkonstruktion eine Anstrengung, die fühlbar macht, das man Teil einer Gesamtinstallation ist. Der Betrachter spielt eine aktive Rolle und bleibt nicht nur der Zuschauer eines zeitlich reglementierten, eingeschränkten Stückes. Die Skulptur ist eine Umkehrung des filmischen Prinzips der Empathie. Man muss sich real auf den Weg in die Natur machen, etwas, was für viele heute keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Der Dschungel hier ist sicher anders als die Kulissenstaffage des Filmphantasmas und der Ort kann letztlich nur eine Insel in einer durch Industrie gekennzeichneten Umwelt sein. Es wird ein künstlerischer Naturort sein, eine Landmarke, doch vielleicht bewegt sie mehr, als das Abspulen von Zelluloid je vermocht hat. Man wird gewahr wie wertvoll solche Orte inmitten eines zivilisatorischen Großstadtdschungels sind, an dem alle Freiheiten bestehen. Im Vergleich mit anderen Skulpturen dieser Art im Ruhrgebiet, wie Richard Serras Bramme zum Beispiel, ist es eine Arbeit, die von einem menschlichen Maß ausgeht. Der Betrachter und Begeher der Tarzanskulptur wird zum Darsteller, übernimmt eine Hauptrolle und kann mit all seiner Kraft einen Schrei an die Welt richten. Das kann markerschütternd sein oder ein leises Rufen. Es ist ein Sinnbild für die kommunikativen Strukturen von und mit Kunst. Die Tarzan Informations Zentren, kurz TIZ, die Sticker und T-Shirts, ebenso der Blog im Internet, der weltweit zugänglich und einsehbar ist, machen jetzt schon deutlich, was es heißt in angewandter Form über ein Kunstwerk miteinander in Kontakt zu treten. Und vielleicht wird hierdurch der meist zitierte Tarzan Ausspruch 'Ich Tarzan - Du Jane' als ein Synonym für unvoreingenomme Begegnungen eine Form von Realität erlangen.


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